Verliebe Dich nicht in Deine Probleme
Die Februar-Kolumne von Mike Aßmann
(Kolumne) Es gibt diese Abende. Du sitzt entspannt im Sessel, vielleicht mit einer guten Cigarre, einem Glas Rotwein in der Hand, das Licht ist warm, der Tag klingt langsam aus. Eigentlich der perfekte Moment, um nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich zur Ruhe zu kommen. Und doch tauchen sie auf – Gedanken an ein Gespräch, das nicht gut gelaufen ist, an eine geschäftliche Entscheidung, die noch nachwirkt, an eine Situation, die sich einfach nicht rund anfühlt.
Probleme haben auf uns Menschen eine merkwürdige Anziehungskraft. Sie geben uns etwas, woran wir uns festhalten können. Eine Erklärung, warum etwas gerade nicht läuft. Eine Begründung für schlechte Stimmung. Manchmal sogar eine Identität. „Ich bin gerade in einer schwierigen Phase.“ Wir bekommen Aufmerksamkeit und Zuwendung. Und je öfter wir so denken, desto mehr verschmelzen wir mit genau dieser Phase.
Doch je länger wir uns mit unseren Problemen beschäftigen, desto größer werden sie. Sie nehmen Raum ein. Erst im Kopf, dann im Gefühl, schließlich im ganzen Alltag, oft auch in unserem ganzen Körper. Aus einer Herausforderung wird ein Dauerzustand. Aus einer Situation wird eine Geschichte, die wir uns immer und immer wieder erzählen.
Aber Probleme sind keine Heimat. Sie sind Hinweise. Sie wollen gesehen werden, verstanden werden, vielleicht auch ernst genommen werden – doch sie wollen nicht geliebt werden. Wer sich in seine Probleme verliebt, bleibt stehen. Wer sich mit ihnen identifiziert, vergisst, dass er mehr ist als das, was ihn gerade herausfordert.
Gerade als echte Genießer wissen wir, was bewusste Präsenz bedeutet. Eine Cigarre raucht man nicht nebenbei. Man nimmt sich Zeit. Man entscheidet sich für diesen Moment. Man beobachtet die Glut, den Rauch, die Entwicklung der Aromen. Alles geschieht in Ruhe und mit Haltung. Genau diese Haltung dürfen wir auch unseren Herausforderungen gegenüber einnehmen.
Longevity – ein langes, erfülltes Leben – entsteht nicht durch problemfreie Zeiten. Es entsteht durch Klarheit. Durch innere Stärke. Durch die Fähigkeit, Dinge nüchtern zu betrachten und Verantwortung zu übernehmen, ohne sich im Drama zu verlieren. Im Business heißt das: analysieren, entscheiden, handeln. Im Privaten heißt es: ehrlich sein, Grenzen setzen, loslassen, wenn es nötig ist.
Es gibt einen feinen Unterschied zwischen Reflexion und Grübeln. Reflexion bringt Erkenntnis. Grübeln hält uns fest. Reflexion fragt: Was kann ich daraus lernen? Grübeln fragt: Warum passiert mir das immer? Der eine Weg führt nach vorne, der andere dreht sich im Kreis.
Schau Deine Probleme an. Lerne aus ihnen. Nimm ernst, was sie Dir zeigen wollen. Aber dann triff eine Entscheidung. Du bist nicht hier, um Deine Probleme zu pflegen. Du bist hier, um Dein Leben zu gestalten – mit Stil, mit Klarheit, mit Genuss und einem großen Haufen Lebensfreude.
Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Souveränität: die Dinge nicht größer zu machen, als sie sind. Weder die Glut einer edlen Cigarre. Noch die Herausforderungen des Lebens.
Herzliche Grüße
Ihr
Mike Aßmann
Unternehmer, Foodhunter und Coach
https://www.gourmet-manufactory.com
