Trauer um Pfeifenbauer-Freigeist Uwe Maier
Protagonist einer „goldenen“ Pfeifenbauer-Generation / Markus Reutzel nimmt hier Abschied
(mr/sp) Uwe Maier (auf dem Foto links) hat zum letzten Mal die Segel gesetzt – Ende letzter Woche ist der Balinger Pfeifenbauer im Alter von 61 Jahren einem langen Krebsleiden erlegen. Die Anteilnahme in der deutschen und internationalen Pfeifengemeinde ist sehr groß. Gerade international genoss Uwe Maier hohes Ansehen aufgrund seiner ausgefallenen Kreativität, was Formen und Ideen zum Thema Pfeifenbau anging. Sehr oft verließ er dabei ausgetretene Pfade.
Wer kann schon von sich sagen, dass er die Welt umrundet hat – und dazu noch auf einem Segelschiff wie der Gorch Fock? Wahrscheinlich untypisch für einen Baden-Württemberger ist er zur See gefahren und hat auf der Wache das Pfeiferauchen für sich entdeckt. Die erste kleine Pfeife für wenig Geld hatte er in Spanien gekauft und auf der Wache geraucht, da man auf See Cigarrenglut weithin sehen kann. Als die dann durchgebrannt war, hat er sich als gelernter Schreiner gesagt, das kann man auch selbst bauen. Und der Anspruch an Design und Qualität war sofort hoch. Uwe hat mir einmal gesagt, seine Einfälle zu Pfeifen kommen spontan. Oftmals reichte ein Bild aus, um eine Designidee in seinem Kopf entstehen zu lassen. Und die Herausforderungen aus Form und Material kommen dann beim Bauen. Als Perfektionist saß er manchmal mit der Lupe vor der Pfeife, wie er sagte. Den eigentlichen Shape hatte er dabei im Kopf, allein an den Details wurde of sehr lange gefeilt. Und einen guten, dumpfen Klang beim Ziehen musste die Pfeife abgeben, wenn sie fertig war. Bei ihm findet man in wohltuender Eintracht Material- und Formenmix, der sich zu einem stimmungsvollen Ensemble zusammenfindet. Pfeifenbau als Kunstform, aber immer sehr gut rauchbar.


Legendär sind auch die von Uwe Maier veranstalteten „Grainstorm“-Events in der alten Werkstatt seines Vaters. Nachdem das Pfeifenbauer-Forum im Internet eingeschlafen war, lud Uwe ab 2014 internationale Kollegen zu sich ein. Yiannos Kokkinos, Steffen Müller, Roger Wallenstein, Abi Natur, Manfred Hortig, um nur einige zu nennen. Neun Mal fand der „Grainstorm“ seit 2014 statt. Bei ihm trafen sich die Freigeister der Pfeifenszene.
Uwe Maier war ein positiver, aufgeschlossener, ehrlicher und gradliniger Mensch. Selbst in Zeiten, in denen es ihm gesundheitlich schlecht ging, hat er sich nie beklagt. Er hat mit seinen oft eigenwilligen Pfeifenkreationen maßgeblich die Pfeifenszene beeinflusst. Mit ihm verlieren die deutschen Pfeifenbauer einen weiteren Protagonisten einer „goldenen“ Generation. Wo immer du hinsegelst, Uwe, ich wünsche dir immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.
