Geißlers Lupe
Alle Jahre wieder, kommt das…
(Kolumne) …große Fragen nach Karten. Da kommt „Hastemal“ und „Kannstemal“ mit „Darfichmal“ und „Willichmal“ zusammen. Sie alle teilen dasselbe Ziel: eine heiß begehrte Eintrittskarte zu ergattern. Voller Enthusiasmus kontaktieren sie Händler, Außendienstler und flehen in sozialen Medien um eine Einladung. Meist gelingt es nur einem „Hastemal“, sich eine Karte zu sichern.
Die erste Enttäuschung
Mit hoher Erwartung steht „Hastemal“ vor dem Eingang. Doch bereits dreimal wurde ihm gesagt, dass der Einlass vorerst nur für Standmitarbeiter gestattet ist. Er ist aufgeregt, doch dann der Startschuss: Endlich geht es los. Er strömt durch den Haupteingang in das verheißungsvolle Paradies der Cigarre, doch die Ernüchterung folgt sogleich. Nach wenigen Metern findet er sich inmitten von Vapes wieder. Der Geruch erinnert an eine riesige ‚Hubba Bubba‘-Blase. Auf der Suche nach Cigarren kämpft er sich durch die Hallen voller künstlicher Düfte. Unbeirrt nach dem Motto „vorwärts immer, rückwärts nimmer“ bahnt er sich den Weg zum „goldenen Tor“, dem Eingang zur Cigarrenhalle. Sein Puls beschleunigt sich.
Ein falscher Auftritt
Endlich im Paradies angekommen, betritt er als Erstes den Stand eines deutschen Importeurs. Unsicher fragt er nach einer Cigarre. Die Antwort kommt prompt: „Sind Sie Händler? Haben Sie eine Visitenkarte?“ Verzweifelt stammelt er, dass er seine Visitenkarte vergessen hat. Es wird nach seinem Geschäft gefragt, das es nicht gibt. Man bittet ihn höflich, aber bestimmt zu gehen.
Mit gebastelten Visitenkarten zum Erfolg?
In der Zwischenzeit hat auch „Kannstemal“ eine Karte ergattert. Er war schlauer und hat sich am Computer eigene, professionell aussehende Visitenkarten gebastelt. Nun tun sich „Hastemal“ und „Kannstemal“ zusammen und steuern den nächsten Stand an. Sie werden auf Englisch begrüßt, doch als ihre Gesichter einfrieren, wird auf Spanisch gewechselt. Die beiden antworten auf Englisch und werden gefragt, ob sie importieren. Wieder Fehlanzeige.
Die Wahrheit kommt ans Licht
Sie steuern den nächsten deutschen Importeur an, in der Hoffnung, diesmal erfolgreicher zu sein. Als die erwartete Frage nach der Visitenkarte kommt, reicht „Kannstemal“ selbstbewusst seine selbstgemachte Karte. Ein kurzes, entspanntes Lächeln huscht über die Gesichter der beiden. Der Gesprächspartner bemerkt, dass dies das Gebiet einer Kollegin sei, die im Moment aber noch beschäftigt ist. Immerhin bekommen sie Kaffee und eine Cigarre. Nach fast einer Stunde kommt die Dame endlich auf sie zu. Sie lächelt charmant und fragt, wie lange es ihren Laden schon gibt. Als sie die Visitenkarte bei Google Maps überprüft und nur Wohnhäuser findet, werden die beiden leicht rot und gebeten zu gehen. Dennoch: Immerhin haben sie eine Cigarre bekommen. Und so geht es weiter, mal gibt es einen Kaffee, mal eine Cigarre, aber nie das Gefühl, willkommen zu sein. Enttäuscht treten sie ihren Heimweg früher als geplant an.
Ein neuer Plan
Am Abend treffen sie „Darfichmal“ und „Willichmal“ und erzählen von den unerwarteten Schwierigkeiten. Gemeinsam schmieden sie einen Plan für das nächste Jahr: Sie wollen rote Hoodies mit gelbem Schriftzug anfertigen, auf dem „Mega Gigga Cigar Lounge“ steht. Außerdem planen sie, einen Eintrag bei Google Maps vorzunehmen. Wie sich herausstellt, haben sich tatsächlich zwei mit den besagten Hoodies und der Angabe ihres Wohnortes auf die Messe geschlichen. Doch auch „Herr Gigga“ und „Frau Mega“ haben kein Glück.
Die Moral der Geschichte
Wer einen Stand auf der Messe hat und dort arbeitet, kümmert sich oft gleichzeitig um mehrere Kunden. Die Standbetreiber haben kaum Zeit zum Essen, Trinken oder für eine Toilettenpause. Sie investieren Zehntausende von Euros in ihren Auftritt, von Standmiete über Auf- und Abbau bis hin zu Personal- und Übernachtungskosten. Die Zeit ist knapp und sie möchten sich voll und ganz auf ihre zahlenden Kunden konzentrieren.
Da bleibt keine Zeit für „Hastemal“, „Kannstemal“, „Darfichmal“ und „Willichmal“.
Doch die Geschichte hat eine Moral: In Deutschland gibt es viele tolle Cigarrengeschäfte, die unterschiedlichste Veranstaltungen organisieren. Dort findet man nicht nur Gleichgesinnte, sondern auch eine herzliche Atmosphäre und die Cigarre, die man sucht. Das verspricht viel mehr Freude als das Abenteuer unserer vier Freunde auf der InterTabac.
