Die einen sagen so und die anderen so

Ein Halleluja auf den Einzelhandel – und neue, alte Ideen

(Kolumne) Bill Gates höchstpersönlich hat mir 1986 erklärt, dass das Büro der Zukunft gänzlich ohne Papier auskommt. Wir waren beide jung und inspiriert von einem neuen Zeitalter der Technik. Billy-Boy, gerade mal zwanzig, und der junge Journalist auf Augenhöhe – altersmäßig. Er war überzeugt davon und ich ein junger begeisterter Nachrichtenbroker mit News aus erster Hand. Die Realität sieht anders aus, wir leben mit Papier und drucken und drucken. Gates hat seinen Traum mehrfach tendenziös frisiert, den Traum stets gut verkauft. Es darf geträumt werden, philosophierte der Douglas-Gründer und erklärte „Wir verkaufen ganz normale Produkte, schön verpackt – und Träume, denn die Menschen haben ihre eigenen schon verloren.“

Im täglichen Leben hat gar mancher seinen Traum tatsächlich verloren. Auch Marketingstrategien gehen verloren oder werden getunt. Nehmen wir das Thema Kataloge, die Älteren unter uns erinnern sich an den Neckermann- oder Quelle-Katalog. Auch Peter Heinrichs in Köln hatte einen solchen, der in einer 20.000er Auflage an seine Kunden, und solche die es werden sollten, ging. Das Marketingtool der Wirtschaftswunderzeiten wurde nach und nach eingestampft. Die Internetdominanz hat die Kataloge getötet und das Mädchen von Seite eins besingt auch keiner mehr. Warum diese Zeilen: Der US-Gigant ‚Walmart‘ veröffentlicht erstmals in seiner Unternehmensgeschichte einen Katalog. „Print soll Reichweite, Inspiration und Sichtbarkeit für alle Kunden steigern und neue Kunden inspirieren, einfach Print-und Online-Shopping verknüpfen. Gleichzeitig zeigt ‚Walmart‘, dass kreative, gut gestaltete Inhalte in Kombination mit digitalen Kanälen die Markenwahrnehmung und Kaufbereitschaft effektiv steigern können.

Im Vorweihnachtsrausch ist mir diese Rolle-Rückwarts-Story sympathisch rüber gekommen, nicht wegen Weihnachten. Wegen den alten Konzepten, die eventuell doch entstaubt werden sollten. Nehmen wir die Zigarettenmarke ‚Camel‘, einst ein Renner und dann von Marketing-Gurus enthauptet. Und jetzt die Vorweihnachtsbotschaft: Ich denke, wir gehen ganz viel stationär bummeln und einkaufen und sorgen dafür, dass der Einzelhandel vor Ort ein gutes Weihnachtsgeschäft bekommt. Naja, die Internet-Stories der Tabakwarenbranche darf man auch besuchen. Auf eine gute Zeit. Frönen Sie dem Genuss und leben Sie das Leben,

Ihr/Euer
Klaus Peter Will