„What I say – die Besserwisser-Kolumne“

What ist the difference?

(Kolumne) Ich möchte heute einmal zurückschauen, weit zurück. In meiner „Cigarren-Lehrzeit“ als Fachzeitschriften-Mann erklärte mir ein älterer Kollege, während eines (damals noch seltenen) Journalisten-Tastings: „Die Frage nach dem Unterschied zwischen den beiden Cigarren erkläre ich Dir. Der Unterschied bist Du. Du hast Dich innerhalb von zwei Stunden verändert. Dein Gaumen durch Essen und Wein, Deine Ausstrahlung, Deine Stimmung – that is a difference“. In der Tat, wir hatten zwei Cigarren einer Produktlinie im selben Format, aus der selben Charge, aus der selben Cigarrenkiste, wie es in der Aufklärung dargestellt wurde. Nur mein Tischnachbar hat die „Gleichheit“ der beiden Test-Vitolas erkannt. Kuriose Entdeckungen der „Fachleute“ waren zu hören. Eine Lehrstunde für mich.

What ist the difference?
Mit dem Einzug der Boutique-Cigarren kam eine Belebungswelle des Cigarrenangebotes in den Handel und zu Aficionadas und Aficionados. Viele Verheißungen standen und stehen in den Beschreibungen der Preziosen aus den Ländern feinster Tabakkulturen. Nicht erst seit heute gehören Storytelling und Eyecatcher zu den inhaltsreichen und optischen Begleitern im Verkaufsregal. Und da ist er wieder: der differente Moment. Das Gefühl für den Cigarren-Connaisseur, etwas neues, anderes oder einmaliges (Sonder-Editionen) zu genießen. Erinnerungen an jungfräuliche Liebhabereien mit der Cigarre. Unterschiedliche Tabakkulturen bringen selbstredend unterschiedliche Ergebnisse und kreative Cigarren-Blender komponieren differente Cigarrenwerke in Tabak-Moll und Dur. Diese kunstvolle Arbeit wird tagtäglich von den „Handwerkerinnen und Handwerken“ in den Tabaccaleras im „Finale Musicale“ zu feinen Vitolas – mit feinen Unterschieden, eben „the difference“, zu anderen Angeboten. Die Damas y Caballeros in den Fabriken arbeiten stets nach Muster und Vorgaben – und doch es ist Handarbeit und die Tabakblätter haben auch in dieser Phase der Verarbeitung – und auch danach – ihr Eigenleben. Und so gibt es doch „the difference“. Und letztendlich bleibt und entscheidet der eigene Geschmack das Erlebnis – wird dieser Moment der Zusammengehörigkeit zwischen der Genießerin oder dem Genießer zu einer Leidenschaft oder ist es nur ein „One Night Stand“. Großer Unterschied, der Homo sapiens entscheidet. Also Du oder Sie, also ganz einfach.

Und auch Artikel dieser Art unterscheiden sich – und manchmal muss man eben durch und „the difference“ herausarbeiten. Bei mir nur mit gut gestopfter Tabakpfeife oder einer feinen Vitola, je nach Geschmack, sonst wird das nichts. Adiós, Ciao und Servus.

Ihr/Euer
Klaus Peter Will