Markus Reutzel (Pipe&Art) kennt die Sehnsüchte im Pfeifenbau
Neuer smokerspress-Kolumnist meldet sich quartalsweise zum Thema Tabakpfeife/Pfeifenbau
(Kolumne) Das Maß der Dinge und vieler Sehnsüchte im Pfeifenbau ist Bruyere – noch. Dem geneigten Enthusiasten braucht man über Temperaturbeständigkeit, Dichte, Feuchtigkeitsaufnahme und Herkunft nichts zu erzählen. Seit Jahrzehnten alles bekannt und dokumentiert. Aber der Stoff, aus dem die Träume sind, macht sich rar. Es ist jetzt nicht so, dass man in naher Zukunft auf das Holz verzichten müsste. Aber leider folgt auch dieses „Wirtschaftsgut“ Marktgesetzen, die es mit Europa, der noch verbliebenen Pfeifenindustrie und den Freehandern im Pfeifenbau nicht gut meinen. Preise für die verschiedenen Holzqualitäten und -größen sind zwischen 2019 und 2025 um 20 bis 30 Prozent gestiegen. In kleinen Größen sogar bis zu 50 Prozent.
Hier spielt der asiatische Markt, besonders China, eine wichtige Rolle. Kommentar eines Pfeifenbauers: „Die chinesischen Einkäufer feilschen nicht.“ Will meinen: die Coupeure rund ums Mittelmeer verkaufen natürlich zuerst an die am besten zahlende Kundschaft. Da fällt schon der eine oder andere Pfeifenbauer mit schmalem Budget durchs Raster und erhält nicht mehr die Top-Qualität. Die großen Firmen verfügen anscheinend noch über ausreichend Vorratslager. Kelvin Pohler: „Das Holz wandert nach China auf modernste Kopierfräsen und zu sehr talentierten Pfeifenbauern.“ Und dazu kommt, das Bruyere sammeln ein Knochenjob ist. Wer einen Wurzelstock gerodet hat, weiß warum. Oftmals sind es Tagelöhner oder Bauern, die sich mit dem Sammeln in bergigen Regionen ein Zubrot verdienen. Mit deren Wegfall schwindet auch das Augenmaß für die Qualität der Baumheide. Fakt ist, dass die Knollen mit langer Wachstumsphase idealer sind. Dirk Heinemann: „Bei länger wachsendem Holz sind die Jahresringe dichter.“ Einschlüsse gibt es immer, aber die Struktur der Ebauchons ist besser. Deshalb hüten viele Pfeifenbauer ihre Holzbestände auch sorgsam. Rein physikalisch gesehen kann allerdings ein Holzblock nur so trocken sein, wie die Feuchte seiner Umgebung es zulässt. Ob es mit längerer Lagerung eine Art „Nachreifungsprozess“ gibt, ist umstritten.
Und die Alternativen zu Bruyere? Der „Arbutus Unedo“ (Erdbeerbaum) ist artverwandt mit dem Bruyere. Tobias Höse liebt an diesem Holz die nach der Bearbeitung zu Tage tretende Struktur, die wie Mondkrater aussehen. Aber es gibt selten glatte Pfeifen. Und bei Mooreiche hat man stark schwankende Qualitäten, da hier das Alter der unter Sauerstoff-Abschluss in Mooren konservierten Eiche maßgeblich ist. Die Altersangaben sind für die Marktteilnehmer schwer zu verifizieren. Gute Mooreiche ist zudem sehr hart und schwierig zu bearbeiten. Olivenholz ist zwar auch hart, aber nicht ganz geschmacksneutral. Karuba (Johannisbrotbaum) bietet auch eine interessante Alternative zu Bruyere. Kirschholz und Ahorn kommen als Pfeifenmaterial ebenfalls vor.
Um auf das Marktgeschehen zurückzukommen: in China war Pfeifenrauchen sehr beliebt, bis Zigaretten aufkamen. Mit steigenden Einkommen wächst wieder das Interesse an außergewöhnlichen Dingen, die Prestige signalisieren. Da spielen Preise eine untergeordnete Rolle. Gleichwohl ist Pfeiferauchen auch in Asien eine Nischen-Angelegenheit. Jedoch im Vergleich zu Europa in anderen Größenverhältnissen. Und manche deutschen Pfeifenbauer sind auf dem chinesischen Markt sehr erfolgreich und hoch angesehen. Ein weiterer Kommentar aus der Szene: „Und es gibt ja wieder zunehmend mehr junge Pfeifenbauer, die die Szene beleben und eben auch Nachfrage nach Material generieren!“
Ihr/Euer
Markus Reutzel
https://www.pipeandart.de/
