200 Jahre gelebte Cigarrentradition mit ‚De Olifant‘
Historisches Tabakvermächtnis: Kampen feiert industrielles Erbe
(pm/sp) Im Jahr 2026 feiert Kampen ein bedeutendes Jubiläum: Seit zwei Jahrhunderten ist die Stadt als Cigarrenhauptstadt der Niederlande bekannt. Was 1826 als lokaler Handwerksbetrieb begann, entwickelte sich zum wirtschaftlichen Motor der Region. Auch wenn die Tabakindustrie heute nicht mehr der größte Arbeitgeber ist, bildet sie doch nach wie vor das unbestrittene Herzstück und industrielle Erbe von Kampen.
Ein historischer Ankerpunkt (1826)
Die Geschichte Kampens als Tabakstadt ist mehr als nur ein Datum, sie ist die Grundlage des lokalen Stolzes. Als der Glanz der Hanse langsam verblasste, läutete die Cigarrenherstellung ein neues goldenes Zeitalter ein. Jahrelang war Kampen der Ort, auf den die Cigarrenliebhaber der Niederlande blickten. „Seit 1826 gelten die Niederlande als Land der Cigarren, mit Kampen als Cigarrenhauptstadt und Ursprungsort des gesamten Cigarrenhandels“, sagt Maaike van der Sluis.
‚De Olifant‘: ein lebendiges Stück Industriegeschichte
In der Fabrik ‚De Olifant‘ an der Kampense Voorstraat werden seit 1883 Cigarren hergestellt, zunächst von Weduwe H. Meulenkamp und ab 1916 von W. Fransen & Zn. In den 1950er Jahren übernahm dieses Unternehmen eine Tabakfabrik in Harderwijk mit dem Namen ‚De Olifant‘. Die Produktion und der Name wurden nach Kampen verlegt. Wie viele niederländische Tabakunternehmen hatte auch ‚De Olifant‘ in den 1970er Jahren mit Schwierigkeiten zu kämpfen. 1985 wurde das angeschlagene Unternehmen von der Familie Van der Sluis übernommen, die bereits seit 1912 in der Cigarrenbranche in Kampen tätig war. Damit blieb der Stadt ein wichtiger Teil ihres Handwerks und ihrer Geschichte erhalten. Das Besondere daran ist, dass man sich kaum bewusst ist, welche Bedeutung Kampen als Cigarrenstadt hatte. In den 1970er Jahren war dies noch einer der wichtigsten Pfeiler der niederländischen Wirtschaft.





Von der Plantage zur Voorstraat: der Prozess
Das Jubiläum ist auch ein Anlass, um einen Blick auf einen Prozess zu werfen, der seit 200 Jahren nahezu unverändert geblieben ist. Die Reise eines Tabakblatts beginnt auf den Plantagen, wo die Blätter von Hand auf Stäbe geknüpft werden und in sogenannten Trockenschuppen trocknen. Durch die Steuerung der Luftzirkulation verfärben sich die Blätter innerhalb von 40 bis 60 Tagen von hellgrün zu sattem Braun. Dieser luftgetrocknete Prozess bildet die Grundlage jeder Kampener Cigarre. Obwohl die Gesetzgebung strenger geworden ist und die Branche manchmal gezwungenermaßen „unsichtbar” operiert, bleibt der Einfluss von Kampen auf die niederländische Wirtschaft von großer Bedeutung. Die Fabrik an der Voorstraat fungiert heute als Tor zur Vergangenheit und als Leuchtturm für die Zukunft. Die Cigarrenfabrik ‚De Olifant‘ suchte daher die Zusammenarbeit mit dem belgischen Familienunternehmen ‚Vandermarliere Cigar Family‘ (VCF), um zukunftssicher zu bleiben und das industrielle Erbe zu schützen. „1826 wird in Kampen, Niederlande, die erste Cigarre gerollt. Noch gibt es kein Telefon, kein Fernsehen, kein Internet, keinen Kühlschrank, aber dafür eine niederländische Cigarre. 200 Jahre später werden in den Niederlanden immer noch Cigarren hergestellt, und am 06. Juni werden wir dies ausgiebig feiern. Der Genuss von Tabak hat eine jahrhundertelange Tradition. Wir kämpfen dafür, diese Freiheit zu bewahren“, so Fred Vandermarliere, CEO Vandermarliere Cigar Family.
Eine Stadt in Bewegung
Es wurde nach kreativen Möglichkeiten gesucht, Kampen wieder so riechen und klingen zu lassen wie früher. So wurde an einer ganz besonderen limitierten Version von De Olifant gearbeitet, mit einem besonderen Bezug zur Stadt. Wie diese limitierte Auflage genau aussieht, halten wir noch geheim. Diese Innovationen stehen im Einklang mit dem Bestreben von Marcel Michels (CCO Vandermarliere Cigar Family), die Tradition von Kampen zu pflegen: “Wir sind froh und glücklich, dass die Marke ‚De Olifant‘ unter unsere Fittiche gekommen ist. Damit bleibt diese ikonische Marke erhalten und wir können weiterhin alle treuen Händler und Verbraucher mit diesen einzigartigen Cigarren beliefern.“ Darüber hinaus ist es das Ziel, die Stadt wieder so klingen zu lassen wie früher, indem eine Verbindung zu lokalen Vereinen gesucht wird. “Früher gab es Gesangsvereine, die mit der Cigarrenfabrik verbunden waren. Ich habe sie gefragt, ob sie nächstes Jahr mit den Tabakliedern von damals für die musikalische Untermalung sorgen möchten. Wir feiern nicht eine bestimmte Marke, wir feiern die Cigarrenstadt Kampen.”
Zukunft in Tradition
“Kampen 200 Jahre Cigarrenstadt” ist eine Ode an Handwerkskunst, Handwerk und Geschichte. Eine Hommage an die Generationen von Fachleuten, die die Stadt groß gemacht haben. Auf die Frage, ob nach 200 Jahren noch einmal 200 Jahre hinzukommen werden, bleibt die Antwort nüchtern, aber kämpferisch. Maaike van der Sluis sagt dazu: “Die Zukunft ist ungewiss, aber wir bleiben positiv.” Am Tag der offenen Denkmäler am 12. September wird dieses besondere Jubiläum im Mittelpunkt stehen. Kampen wird ausführlich auf diese einzigartige Geschichte zurückblicken. Einwohner, Liebhaber und Kulturerbe-Träger sind eingeladen, dieses Jubiläum gemeinsam zu erleben und die Stadt so zu feiern, wie sie gedacht ist: als Cigarrenstadt der Niederlande mit all ihren Düften und Klängen.
Tinus: Der Mann, das Handwerk und die letzte handgerollte Cigarre
In Kampen, der Stadt, in der der Geruch von Tabak in den Mauern steckt, erhielt Tinus dieses Jahr eine besondere Auszeichnung: eine eigene Fliese im „Garden of Fame”. Eine greifbare Hommage an seine Bedeutung für das lokale Kulturerbe. Aber wer war der Mann hinter dem Handwerk? Um Tinus wirklich zu verstehen, müssen wir denen zuhören, die von ihm gelernt haben. Thomas Klaphake teilt seine Erinnerungen an eine Ikone, die bis zu seinem letzten Atemzug seinen Händen treu blieb. Warum Tinus gefeiert wird, hat seinen Ursprung im Kern seines Wesens. Tinus war der letzte Cigarrenmacher, der sein Handwerk vollständig von Hand ausübte. In einer Welt, die immer schneller und mechanischer wurde, blieb er die Ruhe selbst. In seinen Händen war Tabak kein einfacher Rohstoff, sondern ein lebendiges Material, das Zeit, Geduld und tiefen Respekt erforderte. Er war mehr als nur ein Fachmann; er war ein Lehrer und ein wahrer Künstler. Glücklicherweise ist das Wissen von Tinus nicht verloren gegangen. Im Laufe der Jahre hat er verschiedene Menschen ausgebildet, aber 2007 begann ein besonderes Kapitel, als Maaike van der Sluis, Marjolijn Diesch und Franziska Richert bei ihm in die Lehre gingen. Sechs Monate lang tauchten sie jeden Montagmorgen in seine Welt ein. Als das letzte Trio, das von ihm ausgebildet wurde, beherrschen sie nun das gesamte Handwerk bis ins Detail. 2017, nur wenige Wochen vor seinem Tod, saß Tinus zum letzten Mal an seinem Arbeitstisch. Dort stellte er seine allerletzten Cigarren her. „Das sind die letzten Modelle, die er hergestellt hat“, erzählt Thomas Klaphake, während er diese Kreationen zeigt. Wer diese letzten Cigarren sieht, sieht mehr als nur ein Produkt. Sie bilden den Abschluss eines Lebens, das ganz einem aussterbenden Handwerk gewidmet war. Jede Maserung im Deckblatt und jede Falte in der Cigarre trägt den Fingerabdruck seiner Hände, die Tiefe seiner Erfahrung und die Seele seiner Generation.
Ein symbolisches Jahr: 100 und 200
Für die ‚Vandermarliere Cigar Family‘ und die Stadt Kampen war dies der richtige Moment, um seines Vermächtnisses zu gedenken. Der Zeitpunkt dieser Ehrung ist fast schon magisch. Tinus wurde 1926 geboren und wäre dieses Jahr 100 Jahre alt geworden. Dieses Jahrhundertjubiläum fällt symbolisch mit zwei weiteren monumentalen Meilensteinen zusammen: dem 200-jährigen Jubiläum von Kampen als Cigarrenstadt und dem 100-jährigen Bestehen der ‚Vandermarliere Cigar Family (VCF) in Belgien. Es ist ein Jahr, in dem wir auf die Generationen zurückblicken können, die diesen Sektor groß gemacht haben. Tinus war eine der letzten Ikonen dieser Generation. Obwohl die Fliese im „Garden of Fame” eine wunderschöne Hommage ist, befindet sich sein wahres Denkmal in der Fabrik selbst: das Wissen, das er hinterlassen hat, und die Leidenschaft, die er bei denen geweckt hat, die nach ihm kamen. Tinus ist nicht mehr da, aber solange das Handwerk geehrt wird und mit Respekt über Tabak gesprochen wird, wird seine Geschichte in jeder Cigarre weiterleben, die in Kampen das Licht der Welt erblickt.
