Tabak-Museum Lorsch / Teil 2

Bestände reichen bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts zurück

(pm/sp) 1995 öffnete nach zehn Jahren der Planung das Museumszentrum Lorsch seine Pforten. Aus der seit langem lehrstehenden Marmeladen- und Kunsthonigfabrik gegenüber der Königshalle wurde ein Museum. Heute befinden sich im Erdgeschoß sowohl die klostergeschichtliche Abteilung und das Tabakmuseum. Das erste Obergeschoß wird als Wechselausstellungsraum genutzt.

Das Tabakmuseum der Stadt Lorsch ist aus einer Ausstellung des rührigen Lorscher Heimat- und Kulturvereins hervorgegangen und hat sich inzwischen zu einer der bedeutendsten deutschen und europäischen Spezialsammlungen mit diesem Themenschwerpunkt gemausert. Der Rundgang beginnt mit einer Einführung in die Geschichte des Tabakgenusses, der die Entdeckung Amerikas zur Voraussetzung hat und sich keineswegs auf das Rauchen beschränkt: Man kann Tabak auch kauen und schnupfen; und auch das Rauchen hat eine reiche kulturgeschichtliche Entwicklung hinter sich, die im Tabakmuseum anhand eindrucksvoller Exponate nachgezeichnet wird: prächtige Studenten- und Reservistenpfeifen, filigrane Zigarrenhalter aus Meerschaum bis hin zu den ersten Zigaretten. Kunst und Kunstgewerbe haben sich des Themas angenommen! Der untere Bereich des Museums ist von mehr Lokalkolorit geprägt: Landwirtschaftliches Gerät, Zigarrenpressen, Schneide- und Pudermaschinen, Bauchbinden und alte Fotos zeigen, was manche betagte Lorscher noch von früher erzählen können: eine arbeitsintensive, Jung und Alt fordernde Industrie! Im Tabakmuseum gibt es zwei Exponate, die im Guinness-Buch der Rekorde stehen: die größte rauchbare Pfeife der Welt und die größte Sammlung von Bauchbinden aus aller Welt.

Klostergeschichtliche Abteilung

Die von der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen betriebene klostergeschichtliche Abteilung gibt einen knappen Überblick über die wichtigsten Themen und Epochen der klösterlichen Geschichte – die Entwicklung des karolingischen (Groß-)Klosters aus den Anfängen monastischer Kultur im Spätmittelalter wird ebenso thematisiert wie die Entwicklung der Lorscher Grundherrschaft, die vom Rheinmündungsgebiet bis in die Ostschweiz reichte. Die „Inszenierung“ eines frühmittelalterlichen Skriptoriums stimmt auf die anhand einiger repräsentativer Beispiele vorgestellte Lorscher Bibliothek ein. Daneben hilft ein kurzer Überblick über die Ereignis- und Forschungsgeschichte beim Kennenlernen der Quellen, aus denen unser Wissen über das vergangene Kloster schöpft.

Weiterentwicklung des Museumszentrums

Mittelfristig wird das Museumszentrum seine klostergeschichtliche Abteilung stark vergrößern. Der Schwerpunkt der Präsentation soll hierbei auf der Lorscher Klosterbibliothek liegen, die seit 2014 vollständig als Bibliotheca Laureshamensis digital zur Verfügung steht. Galten bisher die Forschungen vor allem der Entwicklung der Lorscher Schreibstile und den für das Lorscher Skriptorium charakteristischen Schriftmerkmalen, so bietet es sich an, sich künftig mehr mit den Inhalten der Bibliothek zu beschäftigen: Was hat man in Lorsch abgeschrieben, womit konnten sich die Lorscher Mönche und Chorherren erbauen und bilden? Das Panorama der Inhalte entspricht dem Spektrum des damals Wissenswerten und Wissensnotwendigen. Dabei fallen drei Schwerpunkte auf, die vielleicht sogar mit verschiedenen Standorten der Bibliothek im Kloster korrespondieren: Die Liturgica wird man im Umfeld der Sakristei und des Kirchenschatzes suchen dürfen, die Klassiker im Bereich der Schulen, die Lorsch besaß, und die reiche und an Seltenem nicht arme Sammlung patristischer Texte wird das Armarium der Mönche dominiert haben. Lorscher Evangeliar – Lorscher Arzneibuch – Lorscher Vergil: Große Namen tragen den Namen des einst so bescheidenen Klosters an der Weschnitz weit in die Welt der Gelehrten. Früher und heute.

Im Museumszentrum sind weitere wichtige Funktionen untergebracht: Der Paul-Schnitzer-Saal ist ein beliebter Veranstaltungsort geworden und wird zusammen mit dem Foyer von der Entwicklungsgesellschaft Lorsch für private wie geschäftliche Zwecke vermietet. Stadt und Land nutzen ihn für Tagungen, Vorträge, Workshops und kleine, anspruchsvolle Ausstellungen. Das Untergeschoss des Museumszentrums wird vom Heimat- und Kulturverein und von der Stadt Lorsch genutzt und ist nicht allgemein zugänglich. Hier befinden sich die Sammlungen der Stadt Lorsch, das Depot des Heimat- und Kulturvereins, Drucksachenlager und das Stadtarchiv, dessen Bestände bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts zurückreichen. Das Stadtarchiv wird ehrenamtlich betreut.

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