Nachgefragt bei Jens Tausch (Cigar & Spirits Consultant)

Events und Tastings finden zurzeit nur noch per Livestream statt – ist das wie Fußball ohne Fans im Stadion?

(pm) Seit über drei Jahrzehnten ist die große Leidenschaft von Jens Tausch (55) die Sensorik in ihrer kompletten Bandbreite. Beginnend mit der Analyse von Parfüm-Düften und der Passion für das Kochen in seiner Jugend, entdeckte er bereits mit 18 Jahren die Vielfalt des schottischen Whiskys. Daraus entstand eine grundsätzliche Faszination für hochwertige Produkte aus der Welt des Genusses. Die Begegnung mit anderen Premiumspirituosen und der Cigarre war unumgänglich. Einige Jahre später definierte er die Begrifflichkeit Crossover im Bezug auf Getränke und Cigarre neu.

sp: Die Event-Szene ist erst einmal „out of order“, unterbrochen und eingefroren. Was macht ein Sensorik-Spezialist im April 2020? Neue Genussidee entwickeln und testen – mit anderen Worten seiner Sensorik freien Lauf lassen? Und hoffen, dass die Kommunikation mit den Konsumenten schon bald wieder auf dem bekannten Niveau läuft.

Jens Tausch (JT): Da hat sich eigentlich nichts geändert, ich verkoste monatlich neue Produkte, die grundsätzlich zu einer Cigarre passen könnten. Aber natürlich auch Getränke, die man einfach so trinkt. In meiner Kolumne Smoky Spirits im Cigar Journal fokussiert sich das natürlich immer auf Crossover. Es haben ja in den letzten Wochen verstärkt einige Live-Verkostungen etc. auf den verschiedenen Social-Media-Portalen stattgefunden. Das sind keine wirklich neuen Formate, aber ich denke, das sind gute Möglichkeiten, die auch zukünftig mehr Platz einnehmen werden. Die Produktion muss aber catchy sein. Es ist ähnlich wie im Kabarett und der Comedy, wenn das Timing und die kurzweilige Vermittlung von Content nicht stimmt, dann wirkt alles zu behäbig und die Zuschauer klicken ganz schnell weg. Ich mache mir schon länger Gedanken über solch ein eigenes Konzept. Schauen wir mal.

sp: Events werden nicht von heute auf morgen geplant. Nachdem vor fünf/sechs Wochen erst einmal alles abgesagt wurde, stellt sich die Frage wie geht das weiter? Bricht der Industrie und dem Fachhandel ein ganzes Aktionsfeld weg, das man in den nächsten Monaten nur schwer wieder aktivieren kann. Oder sind die Aficionados „stand by“ und warten auf die Ankündigen und Event-Angebote und man kann den verlorenen Umsatz wieder generieren?

JT: In der Tat, das sehe ich wirklich problematisch. Denn Events sind ein wichtiger Bestandteil der Absatzfördernden Maßnahmen nicht nur im Lifestyle Segment. Im Bereich Spirituosen gibt es aber immer so etwas wie eine kleine Sommerpause bei Tastings & Co. Denn bei hohen Temperaturen liegt der Schwerpunkt eindeutig bei Mix-Getränken. Da verlagert sich der Großteil an Tastings stark in die „kälteren“ Monate. Insofern ist die Hoffnung groß, dass diese Art von Veranstaltungen dann wieder stattfinden können. Immer unter der Voraussetzung, dass die entsprechenden Kontaktbeschränkungen gelockert sind. Einmal Aficionado, immer Aficionado. Auch wenn Mann/Frau den Gürtel enger schnallen muss, ich kann mir nicht vorstellen, dass die Aficionados anfangen minderwertige Ware im Spirituosenbereich zu konsumieren.

sp: Die Whisky Fair musste abgesagt werden, wie sieht es mit dem Deutschen Whiskytag aus? Bis zu den Whisky & Tobacco Days in Hofheim ist ja noch etwas Zeit.

JT: Das ist eine Frage, die ich aktuell nicht beantworten kann. Das ist abhängig von so vielen Faktoren und Variablen bezüglich der staatlichen Restriktionen. Bei der Umsetzung des Deutschen Whiskytags verhält es sich analog zur Gastronomie, es erfordert noch mehr Disziplin und Umsichtigkeit seitens der Gäste/Besucher. Die dafür notwendige Logistik können die Destillerien sicherlich adäquat umsetzen. Ob Messen wie die Whisky & Tobacco Days stattfinden können, das werden die Entwicklungen vor allem innerhalb der nächsten zwei Monate zeigen. Mein Geschäftspartner für die Whisky & Tobacco Days Thorsten Herold und ich machen uns natürlich Gedanken, wie wir das unter Einhaltung der geforderten Sicherheits- und Hygienemaßnahmen umsetzen können.

sp: Zurück zur Sensorik und zu den Spirituosen. Brandy, Rum und Whisky sind die exquisiten Standardbegleiter feiner Cigarren. Gin, Tequila und Vermouth gehören zu der Gruppe der Exoten, wenn es um Pairings mit Cigarren oder auch Pfeifen geht. Und der Cognac?

JT: Der Cognac eignet sich hervorragend zur Cigarre. Analog zu Schottischem Single Malt kann er äußerst komplex, opulent oder auch mal ein Easy Going Drink sein. Der Cognac bringt von Hause aus die für ein Pairing nötige Fruchtsüße mit. Diese ist immer der Verbinder in einer Kombination mit einer Cigarre und Pfeife.

sp: Noch ganz kurz zum Haus „Ferrand“ und seinen Produkten. Gibt es dazu Tipps von Jens Tausch?

JT: Mein absoluter Favorit ist der Cognac Ferrand 10 Générations, ein Produkt, das vor allem für Einsteiger den Zugang zu Cognac einfach macht. Er lässt Assoziationen von Whisky und Grappa frei und im Geschmack – Fruchtdrops, Brioche mit Rosinen, Vanille, Karamell, dezente Holznoten und eine honigartige Süße. Dann den Admiral Rodney Monarch, ein Rum aus St. Lucia, der ursprünglich in Kooperation mit einem dänischen Weinhaus exklusiv für den dänischen Markt entwickelt wurde. Und für die Frische den Ferrand Dry Curacao Triple Sec, ein Orangenlikör, den man super pur, mit einem Eiswürfel oder als Ferrand Spritz (Curacao Tonic) genießen kann. Absolute Orangenbombe.

sp: Danke und hoffentlich sehen wir uns bald wieder bei einem Event. Fit bleiben.

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