InterTabac Plauderei – Markus Reutzel hatte Augen und Ohren offen
Ein Kessel Buntes oder die InterTabac einfach mal anders serviert
(mr) Ein Messebesuch der InterTabac für acht Stunden hört sich viel an, ist jedoch eigentlich immer zu kurz, so auch in diesem Jahr – und trotzdem entdeckt man Interessantes, Neues und Kurioses.
Los ging es dieses Jahr für mich am Vauen-Messestand mit einem kurzen Gespräch mit dem neuen Geschäftsführer Florian Eckert. Der 37-Jährige führt die Geschäftsleitung in der sechsten Generation zurück in die Familie und kommt ursprünglich aus der Automobilbranche. Für ihn ist die Pfeife „Made in Germany” etwas ganz Besonderes. Sein Ziel ist es, diesen Qualitätsanspruch für die nächsten Generationen zu erhalten. Für den passionierten Pfeifenraucher repräsentiert die Pfeife genau das, was in unserer hektischen Zeit etwas abhandengekommen ist: ein Ritual, bei dem man sich zurücklehnt und in einer kleinen Zeremonie dem Genuss frönt. Dem kann man nur zustimmen. Auf der Messe hat Vauen auch eine neue Pfeifenlinie präsentiert (smokerspress berichtete). Die verschiedenen Modelle werden aus dem Amboina-Wurzelholz des Narrabaumes gefertigt und sind demnächst bei den Händlern erhältlich. Die neuen Modelle findet man im Vauen Neuheiten Katalog Herbst/Winter 2026 auf smokersplanet.de unter https://www.vauen.de/fileadmin/Images/PDFs/Vauen_Prospekt_Herbst_2026_DE.pdf
Pfeifen-Kleinode und eine neue Tabaklinie
Bleiben wir weiter bei der Pfeife. Es gibt noch einige Kleinode, mit denen man nicht rechnet und die einem dann plötzlich ins Auge springen. Ein Beispiel ist die ‚Country Pipe‘ aus Flensburg. Dieser Betrieb wird von Svenja Tramm geführt. Sie hat das Pfeifenmachen bei ihrem Großvater gelernt und im Alter von sechs Jahren ihre erste Pfeife fertiggestellt. Die Eigenmarke ‚Hanseatic‘ setzt auf kräftige Formen und Farben bei klassischen Formen. Man ist international aufgestellt, fertigt aber auch für Privatlabels. Vertriebspartner ist ‚Ermuri‘. Kommen wir nun zu einer Ikone der Pfeifentabak-Branche. Michael Apitz und ‚DTM‘ – das steht für Kult und Qualität. Apitz geht seiner Leidenschaft für Tabakkompositionen nach und hat eine eigene Tabaklinie für ‚DTM‘ entwickelt. Die beiden Tabake wurden den Urgesteinen ‚Dan Pipe‘ und ‚DTM‘ gewidmet. Es handelt sich um ‚The Manager‘ für das Management und ‚Bizzy Lizzy‘ für die Firmenangehörigen. Dafür wurden neue Aromen entwickelt, Horchata für ‚The Manager‘ mit Virginia als Basis für die Grundlage des Blends. Der zweite Tabak ist ein für Apitz typischer Hocharomat auf Black Cavendish Basis, verfeinert durch einen kleinen Anteil Mysore. Die weiteren Vertreter der Pfeifengattung waren überschaubar. Kopp Tobaccos präsentierte ‚Stanwell‘ und neue Tabake, ‚Dunhill‘ war ebenso vertreten wie einige italienische Pfeifenbauer. ‚C-Pipes‘ (Wilson Wang) aus China ist ein Hersteller, der sich jetzt mehr und mehr in die Öffentlichkeit wagt und von dem man in Zukunft sicherlich noch einiges hören wird.






‚Cigar Spirit‘: Rum mit Cognac-DNA
Beim Gang durch Halle 7 kam man an einem Stand vorbei, der lediglich ein Pult und mehrere Flaschen zeigte. Eine Kooperation zwischen der InterTabac, dem Cigar Culture Summit, Robert Click und Felix Gorzzak (Bronco GmbH) aus Dortmund brachte einen auf 200 Flaschen limitierten Rum namens ‚Cigar Spirit‘ hervor. Die Besonderheit: Der Destillateur bediente sich einer Methode aus der Cognac-Herstellung, der Bonification, um ein ideales Pairing zur Cigarre zu erreichen. Wohl bekommt’s.
Designideen für Cigarrenliebhaber
Ein paar Stände weiter konnte man beim französischen Hersteller ‚Maison Lac‘ aus Antibes einen mit Krokodilleder bezogenen Humidor für 30.000 Euro bestaunen. Er ist mit einem Plasmastrahl-Verfahren mit einer ein Mikron starken Goldschicht überzogen. ‚Mantis‘ zeigte das ‚Country Field Jacket‘ mit Halter für Cigarren-Tuben. Heiko Pörz (Cigarcube) stellt ebenfalls Humidore her, allerdings in Form von 3D-gedruckten Cigarrenbehältnissen aus PLA/PHA-Biopolymer. Dabei handelt es sich um chemisch aneinander gebundene Milchsäuremoleküle, die zu 100 Prozent biologisch abbaubar, ressourcenschonend und formstabil sind. Sie haben eine filigrane Struktur, sind als Leichtbau hergestellt und haben ein großes Innenvolumen. Zedernholz kommt als Inlay vor. Die Humidore haben ein sehr modernes Design und sind auf den ersten Blick nicht als solche erkennbar. Sie sind aber nach Kundenwünschen voll konfigurierbar und mit ‚Boveda‘ oder ‚Integra Boost‘ verwendbar. Ein Eyecatcher auf dem Stand war sicherlich die Humidor-Zapfsäule im Racing-Design mit einem Cigarren-Feuerzeug in der Zapfpistole. Bei Freddy Wellhuber (Zigarren4you) gab es eine neue Linie mit sieben Jahre gelagerten Cigarren im Robusto- und Toro-Format. Die Vitolas werden aus sieben verschiedenen Tabaksorten hoher Qualität hergestellt und kommen jetzt auf den deutschen Markt.
Stimmung gut, Händlerfrequenz mit Fragezeichen
Generell hatte man den Eindruck, dass die Stimmung in den Dortmunder Messehallen recht gut war. Zwar stehen mit den geplanten Steuererhöhungen neue Herausforderungen an und es ist ein gewisser Konzentrationsprozess in der Tabakbranche zu beobachten, doch einzelne Marktteilnehmer bewerten den deutschen Markt innerhalb der EU weiterhin positiv. Das hat Ricardo Seijas (Matilde Cigars) am Stand beobachtet. Allerdings betonte er auch, dass das aktuelle Messeformat für den deutschen Einzelhändler nicht ideal ist. Seijas hatte nur ein kleines Display in einem Gemeinschaftsstand, da er nicht mit Händlerbesuchen auf der Messe kalkuliert hatte, sondern Roadshows in Deutschland durchführte. Mario Horn (Marketing Johann Wilhelm von Eicken) sprach von einer überraschend hohen Frequenz an Fachbesuchern am ersten Messetag. Allerdings habe das Interesse der deutschen Fachhändler in den vergangenen Jahren bereits nachgelassen. Ob dies am geänderten Termin unter der Woche liegt, ist fraglich. Das Unternehmen ist stark international aufgestellt. Bei Großhändlern, Herstellern und Zubehör-Anbietern sprach man hingegen zum Teil von erheblichen Ausfällen bei der Terminierung von Fachhändler-Besuchen auf der InterTabac.
