„Red Bull“ der E-Zigaretten: Juul steht in den Startlöchern

Die ganz besonders umstrittene E-Zigarette bereitet den Markteintritt in Deutschland vor

(pm/sp) Sie sieht aus wie ein USB-Stick und erobert die Schulhöfe in den USA gerade im Sturm. „Juul“ heißt eine neue E-Zigarette, die extrem hochdosierte Nikotinflüssigkeiten verdampft, ganz unauffällig, auch im Unterricht. Für Eltern und Verbraucherschützer ist die Juul-Zigarette ein Albtraum. Unter Jugendlichen in den USA gilt sie wegen des extrem hohen Nikotingehalts jedoch als cool. In Deutschland wird es die E-Zigarette künftig in abgewandelter Form geben.

James Monsees und Adam Bowen werden persönlich anwesend sein, wenn Mitte Dezember bei einer Veranstaltung in Hamburg der Verkauf der E-Zigarette Juul in Deutschland bekannt gegeben wird. Die beiden Amerikaner kennen sich seit ihrer Zeit an der Stanford University in Kalifornien. In ihrer gemeinsamen Diplomarbeit haben sie sich den Milliarden-Dollar-Markt der Tabakindustrie vorgenommen und Innovationen untersucht. Ein paar Jahre später ist daraus ihre Firma Juul Labs entstanden, die heute in den USA mit riesigem Erfolg eine E-Zigarette vertreibt. An der US-Börse wurde das Start-up der beiden Jungunternehmer kürzlich mit 15 Milliarden Dollar (13 Milliarden Euro) bewertet. Nach Russland, Israel und Großbritannien kommt diese Zigarette jetzt auch auf den deutschen Markt.

Doch das ist nur die halbe Geschichte. Denn ihren Erfolg und auch den ihrer Aktie haben sich die beiden Unternehmer mit dem Zorn mancher Eltern in den USA erkauft. Juul gilt in den Vereinigten Staaten als die umstrittenste E-Zigarette auf dem Markt, weil sie einen extrem hohen Nikotingehalt hat. Die Kapseln enthalten rund 50 Milligramm Nikotin je Milliliter Flüssigkeit. In der Europäischen Union (EU) ist diese Menge verboten. Die Tabakrichtlinie der EU lässt höchstens 20 Milligramm Nikotin je Milliliter zu. Eine Höchstgrenze für den Nikotinwert existiert im US-Markt jedoch nicht. Verbunden mit einem stylischen Design, ist Juul unter Jugendlichen in amerikanischen Städten zum Kultobjekt geworden. Die meisten der verkauften Flüssigkeiten enthalten Aromen wie Minze, Apfel oder Mango. Dadurch wird das Raucherlebnis im Vergleich zu einer Tabakzigarette oftmals als weniger stark oder hart beschrieben. Der hohe Nikotingehalt entfaltet dennoch seine betäubende Wirkung. All das hat Politiker der Republikaner wie auch der Demokraten sowie Verbraucherschützer in den USA alarmiert. Sie fordern ein Eingreifen der nationalen Behörde für Lebensmittelüberwachung und Arzneimittel, der Food and Drug Administration (FDA). Denkbar ist, dass die FDA am Ende eines Prozesses Aromazusätze in den Kapseln grundsätzlich verbieten könnte.

Direkt vergleichbare Aktionen dürfte die Juul in Deutschland kaum auslösen. Nach Aussage von Deutschlandchef Markus Kramer wird die E-Zigarette für den europäischen Markt angepasst. „Wir halten uns an die gesetzlichen Vorgaben“, sagte Kramer im WELT-Gespräch. Demnach wird die Light-Variante höchstens 20 Milligramm Nikotin je Milliliter Flüssigkeit enthalten. Die Dampfgeräte bestehen aus einer Batterie, einem eingebauten Apparat zum Erhitzen und der Flüssigkeitskapsel und ähneln einem großen Textmarker. Der Einstiegspreis für das Gerät sowie für vier Liquid-Kapseln soll bei 35 Euro liegen. Das Prinzip funktioniert wie das Nespresso-System: In das Juul-Gerät passt nur die Kapsel des Herstellers. Mit einem Stückpreis von drei Euro winkt Juul hier das lukrative Geschäft. Die Kapseln müssen häufig nachgekauft werden – deshalb sind sie für den Hersteller besonders lukrativ.

Den Werbeaussagen nach richtet sich das Produkt an erwachsene Raucher von Tabakzigaretten, die auf E-Zigaretten umsteigen wollen. Auf Anzeigen in sozialen Medien wie Facebook will Juul verzichten. „Wir werden uns an die Vorgaben des Jugendschutzes halten und wollen keine Jugendlichen ansprechen“, sagt Kramer. Der Manager hat zuvor etwa bei dem Spirituosen-Konzern Diageo, bei Coca-Cola oder Unilever gearbeitet. Lobbyisten bestreiten die Schädlichkeit und auch die Suchtgefahr der E-Zigarette nicht. Sie argumentieren damit, dass diese Rauchvarianten für die Gesundheit weniger gefährlich sind als eine Tabakzigarette. In den USA kommt Juul laut Branchenberichten auf einen Marktanteil von mehr als zwei Drittel in dem noch jungen E-Zigarettengeschäft. In Deutschland sind die Ziele ehrgeizig. „Ende des nächsten Jahres wollen wir auch hier der Marktführer sein“, sagt Deutschlandchef Kramer.

https://www.juul.com/