Promille-Rekord: „Josef“ aus Hausham übertrumpft Las Vegas

Rekord: Beim Lantenhammer Gin & Food Festival flossen rund 700 Liter Tonic in einen Glastank mit 370 Litern dunkelblauem „Josef“-Gin

(pm/sp) Für diese Tage hatte die Lantenhammer Destillerie ihr Gelände in eine veritable Party-Zone verwandelt: An einer zehn Meter langen Bar schenkten zehn Bartender aus, auf einer Bühne legte erst DJ Alexander Sasse von Radio Energie auf, ehe die Harthauser Blasmusi hardrockend aufspielte. Rundherum: Foodtrucks, riesige Eiswürfel-Skulpturen mit eingefrorenen Gin-Flaschen und Botanicals. Letzteres sind die Aromen, durch die ein Gin individuell schmeckt: Früchte, Gewürze, Beeren, Wurzeln und einiges mehr. Das Festival lockte reichlich Zuschauer an. 1500 waren am Freitag vor Ort. Wegen der hochsommerlichen Temperaturen floß vor allem der neue alkoholfreie Lantenhammer-Gin „Guilty 83 73 4“ in Strömen. Mehr noch am Samstag, an dem 2500 Gin-Fans kamen und dem Weltrekord entgegenfieberten.

Bevor Lantenhammer-Geschäftsführer und Master Distiller Tobias Maier den durch die thailändische Schmetterlingsblüte dunkelblau leuchtenden „Josef“-Gin in das 1600 Liter umfassende Acrylglas-Behältnis einfüllte, verriet er, dass tags zuvor ein erster Stabilitätsversuch mit Wasser stattgefunden hatte. Der Tank habe den „brutalen Druck“ ausgehalten, aber ein unheimliches, knackendes Geräusch von sich gegeben – und auch einen kleinen Sprung davongetragen. Trotzdem waren Maier und sein Team entspannt. „Wir wollen Vegas toppen! Es soll in Zukunft nicht ‚America first‘, sondern ‚Bavaria first‘ heißen“, postulierte Maier kampfbereit und rief den Kollegen mit dem silbernen Tonic-Tank auf dem Gabelstapler heran. Der Rekord-Versuch konnte beginnen.

Rolf Allerdissen vom Rekordinstitut für Deutschland RID, der mit Sonnenbrille und dunklem Anzug an einen Leibwächter erinnerte, ließ den Tank nicht aus den Augen und sich auch nicht von Meister-Bartender Mike Dötzer ablenken, der Flaschen und Cocktailshaker in der Luft jonglierte und auf dem Unterarm balancierte. Haushams Bürgermeister Jens Zangenfeind witzelte noch, dass ja sonst er fürs Ozapfn zuständig sei, und lobte das Lantenhammer- Team für dessen innovative Ideen und Veranstaltungen: „Was Las Vegas kann, kann Hausham schon lange“, rief er mit Blick auf den Weltrekord. Der bislang größte Gin Tonic war im Oktober 2018 in Nevada (USA) gemischt worden: 960 Liter.

„Schauen wir mal, ob die bayerische Ingenieurskunst mehr aushält“, sagte Maier und gab das Startzeichen: Der Hahn öffnete sich, und das farblose Tonic aus dem Tank schoss heraus. Augenblicklich färbte sich der blaue Gin lila. „Das Zitrus im Tonic verändert den pH-Wert und verfärbt das Ganze“, erklärte Maier. Die Menge jubelte, fühlte sich an den Lackmustest im Chemieunterricht erinnert und beobachtete minutenlang gebannt, wie sich der Pegel hob. Knacksende Geräusche waren nicht zu vernehmen. Das wäre bei dem lautstark mit fieberndem Publikum auch schwer möglich gewesen. Der Lärmpegel stieg, als sich der Pegel dem roten Strich bei der 960 Liter-Marke näherte. Jubel und Applaus brachen los, Master Distiller Maier sprang vor Freude in die Luft, als Moderator Alexander Sasse verkündete: „Damit ist Hausham jetzt Weltrekordhalter.“ Das Tonic lief weiter, und erst weit über der roten Linie wurde der Hahn abgedreht. Maier machte den Deckel drauf. „Der Behälter ist groß genug, dass wir da noch einmal drauflegen können, wenn’s is’“, versprach er.

Rekordrichter Allerdissen legte das Maßband an und verkündete das Endergebnis: „Es sind rein rechnerisch 1001,66 Liter.“ Beim verkosten des 1:2-Mixes bestätigte er anerkennend: „Ja, das ist ein Gin. Auf jeden Fall.“ Der Weltrekord-Mix ging dann auch größtenteils weg, denn die Gin-Fans, die begeistert „Ozapft is!“ und „Auf einen friedlichen Weltrekord“ riefen, feierten noch bis tief in die Sommernacht hinein. Den Erlös des Weltrekord-Gin-Tonic spendet die Lantenhammer-Destillerie übrigens für einen guten Zweck in der Region.

https://www.lantenhammer.de/

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