Nachgefragt bei Dirk Kinne und Martin Schenke (TABAK-KONTOR Leipzig)

Aktuell zum Jubiläum

Nachgefragt bei den Inhabern des TABAK-KONTOR in der Leipziger Innenstadt. Hier ist auch die Leipziger LA CASA DEL HABANO (im Obergeschoß) etabliert. Noch drei weitere Geschäfte führen die engagierten Unternehmer: das Tabak- & Pressegeschäft in Leipzig-Paunsdorf, das TABAK & PRESSE Kontor in Gera und die TABAK-BÖRSE in Borsdorf. Wir wollten wissen, wie das alles zustande kam und welche Zielsetzung die beiden Vollblut-Unternehmer für heute und morgen sehen. Und hier geht es weiter:

sp: Wie kamen Sie 1999 auf die Idee ein Tabakwarengeschäft aufzubauen und zu führen? Waren Sie bereits zu dieser Zeit Genießer und vor allem die Frage, wie war das mit dem Rauchen? Zigarettenraucher oder waren Cigarre oder Pfeife damals Ihre Favoriten und den Tabakprodukten?

Martin Schenke (MS): Wir kannten uns aus der Lehrzeit und wollten neben unseren bereits bestehenden Einzelunternehmen etwas zusammen aufbauen; und zwar ein Geschäft, welches nicht von der Zahlungsmoral abhängig ist. Während des Studiums sah ich dann in einer Steuerkanzlei die „ganz ordentlichen“ Zahlen eines Tabak/Presse/Lotto-Geschäftes – und flux wurde die Idee konkreter und umgesetzt. Wie sich später herausstellte, war dies zum damaligen Zeitpunkt das beste Geschäft weit und breit. Hätten wir die Zahlen eines „normalen“ Ladens gesehen, so wären wir wohl in eine andere Richtung gegangen. Genossen haben wir in der Jugend andere Dinge des Lebens ;-). Ich rauchte damals bereits ab und an Pfeife und Zigarette. Die Leidenschaft kam aber erst später hinzu. Auf Zigaretten verzichte ich bereits seit 2003 und kann seitdem Cigarre und Pfeife viel besser genießen und wahrnehmen.

sp: Genussprodukte in einem Ladengeschäft anbieten, die Kunden allumfassend und gut beraten, dazu gehört viel Wissen. Wie haben Sie sich in die Tabakwelt und die affinen Produkte „eingearbeitet“?

Dirk Kinne (DK): Es war ein langer Weg der kleinen Schritte. Angefangen hat es mit den Schnelldrehern und ab 2002 haben wir Cigarren und Pfeifen samt Tabak in überschaubarer Menge angeboten. Diese Sortimente wuchsen Jahr für Jahr, so dass wir uns ebenfalls Schritt für Schritt einarbeiten konnten und mitwuchsen.

sp: Was hat sich seit 1999 im Angebotsspektrum der Tabakwarenfachgeschäfte im Allgemeinen und speziellen bei Ihnen verändert? Immer mehr Genuss? Neue Genusswelten?

MS: Ganz deutlich ist hier das Spirituosensortiment hervorzuheben, welches in den meisten Tabakfachgeschäften vor der Jahrtausendwende nur selten zu finden war und heute bei uns und vielen Kollegen eine tragende Säule ist. Im Portfolio unseres Hauptgeschäftes TABAK-KONTOR wurde der Umbruch zum Genussanbieter durch den Verzicht auf Lotto und Presse am deutlichsten.

sp: Sie führen in Ihrem Portfolio auch Eigenprodukte, aus Spaß an der Freude oder um Kundenerfahrungen bzw. Wünsche umzusetzen?

DK: Wir sehen unser gesamtes John Aylesbury Sortiment als Eigenmarke, sind als Gesellschafter ja schließlich auch anteiliger Markeneigner und können die Produktpalette entscheidend mitbestimmen. Mit unserer ganz eigenen Pfeifentabak-Hausmarke KONTOR-TABAK besetzen wir Nischen, sowohl aus eigenen Ansprüchen als auch in Verbindung mit den Wünschen unserer Kunden. Spaß sollen diese Produkte selbstverständlich machen, aber die kaufmännische Komponente steht zweifelsohne stets mit im Fokus.

sp: Zum stationären Handel kam im Jahr 2011 das Internetgeschäft. Welche Erfahrungen haben Sie hier und wie sind Sie aktuell im Internet aufgestellt?

MS: Der Versandhandel, welchen wir „analog“ bereits vor dem Onlineshop betrieben haben, ist eine sinnvolle Ergänzung zum stationären Geschäft, den wir nicht mehr missen möchten. Es gibt im stationären Verkauf Phasen der Ruhe, die für die Erledigung von Versandtätigkeiten, auch durch die Verkaufsberater, sinnvoll genutzt werden können. Wie wir aufgestellt sind, liegt im Auge des Betrachters. Unser System und die klassische Onlineshop-Visualisierung funktionieren und haben sich bewährt. Von technischen Spielereien und immensen SEO-Aufwendungen halten wir nicht viel. Uns sollen die Leute finden, die den Genuss zu schätzen wissen. Wir müssen und wollen nicht bei Google auf Platz 1 erscheinen, wenn jemand kurz vor Weihnachten „Cigarre“ in die Suchmaschine eingibt. Wir hätten zwar nichts dagegen, aber Aufwand und Nutzen müssen in einem gesunden Verhältnis stehen.

sp: Sie haben sich aus und mit Ihren ersten Geschäften bis hin zum Hauptgeschäft TABAK-KONTOR stets weiterentwickelt. Neue Geschäfte kamen hinzu, der Mitarbeiterstamm ist gewachsen, Sie sind Habanos Specialist, Beiratsmitglied der John Aylesbury-Gruppe und im Netzwerk MUT engagiert und führen eine Casa del Habano. Alles zum Wohle der Kunden?

DK: Alle Entscheidungen basierten auf unternehmerischen Gesichtspunkten; und viele davon scheinen richtig gewesen zu sein, sonst hätten wir dieses Jahr nicht unser 20jähriges Jubiläum feiern können. Unterm Strich dienen alle Entscheidungen natürlich auch dem Wohle unserer Kunden, ohne deren Einkaufentscheidungen zu unseren Gunsten wir heute nicht auf diese Entwicklung zurückblicken könnten.

sp: Wenn wir die Zeit-Uhr drehen und nach 2039 schauen, Ihr 40-Jähriges Geschäftsjubiläum, wie wird sich die Tabakwelt bis dahin verändert haben? Lassen wir das mal, wir sind ja alle keine Hellseher, aber was erwarten Sie in den kommenden fünf Jahren, um einmal einen überschaubaren Zeittraum zu definieren?

MS: Wenn unsere Kunden unsere Arbeit weiterhin honorieren und sich die Zahlen auf dem jetzigen Niveau bewegen, dann sind wir sehr zuversichtlich, auch das 25jährige feiern zu können, hoffentlich auch mehr. Zukunftsszenarien für alle Eventualitäten zu „planen“, davon halte ich nicht viel und nutze die Zeit lieber für den Genuss eines guten Tabaks, ob gerollt oder gestopft…

Vielen Dank nach Leipzig und weiterhin erfolgreiche Zeiten mit Ihren Geschäften, Ihren Mitarbeitern, den Genussprodukten und Ihren Kunden.

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