Nachgefragt bei Alexander Pietsch (Brennerei Ziegler)

Geplantes High Level-Event zum „Tag des deutschen Whiskys“ ist abgesagt

(Kolumne) Die Brennerei Ziegler wurde 1865 gegründet. Ziegler steht für feinde Brände, edle Geiste, Liköre, Whiskys und Fruchtessige. Ein wichtiger Meilenstein für die stets handwerkliche Manufaktur war in 1980er Jahren die Einführung des Edelbrandes „Wildkirsch Nr. 1“ – seitdem gilt Ziegler als der Platzhirsch in der Sternegastronomie in Sachen fassgelagerter Brände. 2008 folgte die Platzierung des „Aureum“, dem ersten Single Malt Whisky vom Untermain. Und diesen und die anderen Genuss-Highlights sollten am 27. Juni 2020, dem „Tag des deutschen Whiskys“, vor Ort präsentiert werden. Für Aureum-Liebhaber wird es den ersten 10-jährigen an diesem Tag geben, jedoch keinen persönlichen Kennenlern- und Genusstermin in Freudenberg. Das für diesen Tag geplante Event fällt aufgrund der aktuellen Entwicklungen aus. Diese Entwicklung und noch ein paar Themen mehr haben mit Alexander Pietsch, dem Betriebs- und Produktionsleiter, in unserer aktuellen Nachgefragt-Kolumne aufgearbeitet.

sp: Herr Pietsch, wir haben am 4. März des Jahres anlässlich eines Arbeitsgespräches und einem Video-Dreh in bester Stimmung eine sehr seriöse Planung für eine Zusammenarbeit zwischen Ihrem Hause und unseren Medien aufgestellt. Schnee von gestern, muss man jetzt sagen. Aber der Reihe nach. Ziegler steht für Spirituosen der Champions League, die Spitzengastronomie ist Ihr Hauptabnehmer. Was ist nun in den vergangenen Wochen, nach dem Gastro-Break, passiert?

Alexander Pietsch (AP): In der Tat hält uns das Thema vielschichtig in Atem. Gastronomie und Hotelerie, traditionell ein starker Abnehmer von Ziegler Destillaten, ist durch den „Lock out“ in den letzten Wochen fast gänzlich weggebrochen. Der Ankündigung einer vorsichtigen Öffnung, folgten postwendende Reaktionen und Bestellungen. Es wird höchstwahrscheinlich nur in kleinen Schritten vorangehen.

sp: Die Corona-Pandemie hat vieles aus den Fugen gebracht. Wie sieht das in Ihrer Produktion aus? Wird destilliert, Kurzarbeit? Und wenn nicht, wie können Sie solche Auszeiten überbrücken? Die Früchte warten doch bestimmt auf eine zeitnahe Verarbeitung?

AP: Unsere Zielgruppen HoReCa, Spirituosenläden, Feinkost und Fachhandel wurden nicht unbedingt als Systemrelevant eingestuft. Flankierend dazu wurde unser Außendienst stark eingeschränkt. Die logische Konsequenz war zwangsläufig Kurzarbeit anzumelden. Natürlich nutzten und nutzen wir die Zeit um neue Marketing-Konzepte zu entwickeln, mit dem Ziel in Zukunft besser vorbereitet zu sein. Das betrifft alle Bereiche und verlangt Analyse sowie Querdenken.

sp: Der Deutsche Whiskytag stand in Ihrem Event-Programm 2020 ganz weit oben. Am 27. Juni des Jahres wollten Sie Gäste aus nah und fern empfangen und mit diesen Ihre aktuelle Whisky-Generation feiern. Was passiert jetzt?

AP: Das hatten wir uns alle etwas anders vorgestellt. Anlässlich des „Tages des deutschen Whiskys“ am 27. Juni wollten wir unsere Pforten, Tür und Tore öffnen. Dieses Projekt macht wenig Sinn mit Mundschutz und Mindestabstand. Da wir positiv denken, werden wir einen neuen Anlauf nächstes Jahr wagen. Als kleines Trostpflaster bieten wir den entscheidungsfreudigen Aureum-Liebhaber den ersten 10-jährigen Whisky in limitierter Edition (ab dem 27.06.202) an. Es stehen 555 Flaschen mit 55,5% Vol. Alkohol zur Verfügung. Solange der Vorrat reicht und nur in Einzelflaschen erhältlich. Bei Interesse sollten sich die Connaisseurs schnellstens bei uns melden.

sp: Ist jetzt aus dem Genussmacher Alexander Pietsch ein Krisenmanager geworden? Wie kompensieren Sie das Loch aus der Krise und welchen Plan B haben Sie mit Ihren Mitarbeitern im Visier?

AP: Ich denke für uns Alle, ob Genussmensch oder nicht, die Krise ist auch eine Chance. Vielleicht, es wäre zu wünschen erleben, wir eine Veränderung im Bewusstsein. Spontan fallen mir da Schlagwörter wie Freundschaften, Kommunikation, Nachhaltigkeit und Genuss ein. Plan B, betrachten wir den Verbraucher und sein Kaufverhalten, geprägt von Existenzängsten. Diskussionen über zusätzliche Sortimente sind für das Traditionsunternehmen Ziegler kein Tabuthema.

sp: Vielen Dank, Herr Pietsch.

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