Juul, der Test

Journalisten haben Juul getestet — und verstehen den Hype in den USA nicht

(BI) Seit Dezember ist die umstrittene E-Zigarette Juul auch auf dem deutschen Markt erhältlich. Der Hersteller verspricht eine Alternative, „die das Leben von einer Milliarde erwachsenen Rauchern verbessern soll“. In den USA zeigt sich jedoch, dass die E-Zigarette offenbar nicht nur bei erwachsenen Konsumenten gut ankommt. Dort ist das Produkt vor allem bei Schülern beliebt — und zwar so sehr, dass das Wort „Juulen“ sogar schon im alltäglichen Sprachgebrauch angekommen ist.

Hinter Juul agieren die beiden Stanford-Absolventen James Monsees und Adam Bowen, die sich beim gemeinsamen Produktdesign-Studium kennengelernt haben. Da die passionierten Raucher auf dem E-Zigaretten-Markt keine für sie akzeptable Alternative für ihren Zigarettenkonsum fanden, entwickelten Monsees und Bowen selbst ein Produkt — mit offenbar großem Erfolg. Bereits im vergangenen Jahr kam das Unternehmen in den USA auf einen Marktanteil von 32 Prozent, im vergangenen Jahr wurde der Wert des Unternehmens auf 16 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Hier der Test von und mit John Stanley Hunter/Business Insider: Ich bin eigentlich ein klassischer Gelegenheitsraucher, der höchstens auf einer Party mal eine Zigarette raucht oder an der Wasserpfeife zieht. Das handliche Design der Juul ist aber durchaus praktisch. Sie kann allerdings auch leicht mit einem handelsüblichen USB-Stick verwechselt werden. Amerikanische Schüler machen sich inzwischen gern einen Spaß daraus, ihre Juuls unter dem Vorwand, den eigenen USB-Stick laden zu müssen, am Computer der Lehrer aufzuladen. Lehrer, die denken, man müsse einen USB-Stick aufladen, dürften wohl auch nicht darauf kommen, dass es sich dabei um eine E-Zigarette handelt. Aus diesem Grund gelang es den Schülern vor dem großen Hype um die Juul wohl auch, das Produkt mehr oder weniger unauffällig zu konsumieren.

Ich habe Juul gemeinsam mit einer Kollegin, die Raucherin ist, getestet. Sie findet: Die Haptik ist tatsächlich ein bisschen so, als würde man an einem übergroßen USB-Stick ziehen. Die Flavorpods gibt es im Starterset in den Geschmacksrichtungen Mint, Rich Tobacco, Royal Creme und Mango. Der andere Grund für den Erfolg sind womöglich die von Juul angebotenen Geschmacksrichtungen. Auch hier will der Hersteller laut eigenen Angaben eigentlich nur um bereits konsumierende Raucher werben. Juul reagierte auf die Entwicklungen, in dem man bei Jugendlichen beliebte Geschmacksrichtungen wie Mango oder Sahne nur noch über die eigene Homepage vertreibt — auf der man sein Alter in zwei Schritten verifizieren muss. Ich probiere mich auch durch die verschiedenen Geschmacksrichtungen. Beim Inhalieren von Mint, Royal Creme und Mango merkt man kaum, dass man gerade wirklich raucht. Und weil man bei der Juul im Gegensatz zur herkömmlichen Zigarette viel länger braucht, bis eine Einheit — hier ein Flavorpod — aufgebraucht ist, raucht man tendenziell länger.

Meine Kollegin war dagegen von den süßen Geschmacksrichtungen nicht sonderlich begeistert. Für das Zigarettengefühl seien sie einfach „nicht rauchig genug“. Bei dem Pod mit Tabakgeschmack sei das zwar besser gewesen, mit normalen Zigaretten habe das dennoch nichts zu tun. Dass der Dampf der Juul im Gegensatz zu dem der Tabakzigaretten nahezu geruchlos ist, dürfte ein Vorteil sein. In Youtube-Videos ist zu sehen, wie einige amerikanische Schüler sich einen Spaß daraus machen, im Unterricht einen Zug aus der Juul zu nehmen und ihn dann unter dem Sweatshirt auszuatmen.

Wer sich jedoch von der Juul nun eine gesündere Alternative zur klassischen Zigarette erhofft, dürfte enttäuscht sein. Der Pneumologie-Professor Felix Herth von der Thorax-Klinik in Heidelberg hat dazu eine deutliche Meinung: Gegenüber Business Insider sagte er im November, dass zumindest die Lungen von Mäusen „gleich kaputt“ seien, nachdem man sie mehrere Wochen dem Rauch von Tabak und E-Zigarettendampf ausgesetzt hatte. Aus Mangel an Langzeitstudien ließen sich beim Menschen zwar keine konkreten Aussagen treffen, jedoch lasse sich anhand der Tierversuche laut Herth durchaus vermuten, dass auch beim Menschen mit diesen Folgen zu rechnen ist. Ich als eigentlicher Nichtraucher muss zugeben, dass Geschmack und Design der Juul durchaus verlockend wirken. Meine rauchende Kollegin findet dagegen, dass die Juul „so viel mit ‚normalem‘ Rauchen gemein hat wie gluten- und zuckerfreie Muffins mit einem ordentlichen Dessert“.

Der Hersteller bewirbt das Produkt jedenfalls nicht als gesündere Alternative. Man wolle Rauchern ein Mittel geben, ihren Konsum zu reduzieren oder ganz zu beenden, wenn sie dies wünschten, heißt es auf der Website des Unternehmens. Nichtraucher seien nicht die Zielgruppe, da Juul auf sie negative Auswirkungen haben könnte. Auch für den Jugendschutz setzt sich Juul nach eigenen Angaben ein. Juul verpflichtet sich etwa dazu, mit seinem Marketing nur volljährige Zielpersonen anzusprechen und betont, in den kommenden drei Jahren 30 Millionen US-Dollar für unabhängige Forschung, Präventionsmaßnahmen für Kinder und Eltern und gemeinnütziges Engagement auszugeben.

Mehr dazu auf https://www.businessinsider.de/wir-haben-die-umstrittene-e-zigarette-juul-getestet-2019-1?op=1

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