Die aktuelle sp-Kolumne: Kommunikation ist ein Dialog – und keine Einbahnstraße

Wer viel spricht, sagt nicht unbedingt viel…

Liebe Leserinnen und Leser,

wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel erzählen, heißt es. Immer öfter fällt mir bei meinen Reisen auf, dass viele Menschen mit mir sprechen wollen, mich um ein Gespräch bitten und mich dann mit einem Redeschwall überfallen. Wer mich wirklich kennt, weiß dass ich die Kommunikation und den Dialog schätze und mich über jeden Gedankenaustausch freue. Aber bitte nicht diese Einbahnstraßen-Gespräche, die am späten Abend Nackenschmerzen bereiten, da man viel zu oft aus Anstandsgründen nicken mussten.

Ein britischer Kollege hat dieses Thema auch einmal aufgearbeitet und festgehalten: Wir haben “two ears, one mouth”. Warum? Weil wir mehr zuhören als reden sollten, im Idealfall eben doppelt so lang zuhören wie reden – diesen dezenten Hinweis gibt der britische Knigge Debrett´s, wenn es um Konversation geht. Was allerdings passiert, wenn sich zwei solch Wohlerzogene auf der Gartenparty gegenüberstehen, bleibt offen?

Wir alle kennen Leute, die gern und ausgiebig von sich erzählen, aber rein gar nichts von oder über ihren Gegenüber hören möchten. Immerhin darf man sicher sein, dass diese Menschen sich glänzend amüsieren und uns als Gesprächspartner weiterempfehlen werden, wenn wir ihren Redeschwall „schweigend“ ertragen. Im Zweifel hilft es, die eigenen tadellosen Manieren vorübergehend sausen zu lassen und zu unterbrechen oder – wenn das nichts nützt, denn manche Menschen lassen sich nicht unterbrechen – nach einer Weile ziellos, aber begeistert in die Gegend zu winken und sich mit einem “Entschuldigung, ich muss da drüben Hallo sagen” zu verabschieden.

Tatsächlich ist das Zuhören eine unterschätzte Fähigkeit. Wer es schafft, nicht nur auf Stichworte für eigene Beiträge zu lauern, sondern dem anderen wirklich Gehör zu schenken und auch mal nachzuhaken, erweitert den eigenen Horizont. Um Unannehmlichkeiten zu vermeiden, gibt uns Debrett´s noch einen Tipp: bei strittigen Themen niemals davon ausgehen, der andere sei unserer Ansicht, sondern sich langsam vortasten. Ansonsten dürfen wir uns darauf verlassen, dass wir in fast jeder Gruppe jemanden finden, mit dem oder der wir auf einer Welle sind (“we clicked”, sagen die Briten). Dann wird das Gespräch, egal worüber, ganz leicht und inspirierend – und wir müssen nicht innerlich Buch führen, wer mehr redet.

Sollten für Sie Gartenpartys und sonstige Feiern anstehen, so wünschen wir tolle Begegnungen mit Menschen, die sowohl erzählen als auch zuhören können.

Steht ihre Sommerreise an? Dann genießen Sie diese Zeit, amüsieren Sie sich, hören Sie gut zu und suchen Sie sich Menschen, die Ihnen zuhören. Über Genussrauchen und Genussmomente gibt es viel zu erzählen. Und Zuhörer findet man zu diesem Thema auch im Jahre 2019. Wirklich…

Mit genussreichen Grüßen

Ihr

Klaus Peter Will