Die aktuelle smokersplanet-Kolumne mit Bodo Mehrlein (Geschäftsführer Bundesverband der Zigarrenindustrie)

(Kolumne) Das Statistische Bundesamt berichtete vor wenigen Tagen über den Absatz von Cigarren und Cigarillos im Kalenderjahr 2019. Demnach ist ein starker Rückgang von 12,1 Prozent auf ein Volumen von 2,7 Mrd. Stück gegenüber 3,0 Mrd. Stück in 2018 zu verzeichnen. Wir haben bei Bodo Mehrlein (Geschäftsführer Bundesverband der Zigarrenindustrie) nachgefragt und wollen wissen, wie er und die Mitglieder des BdZ dieses Ergebnis interpretieren.

sp: Herr Mehrlein, Sie haben nach der oben genannten Veröffentlichung darauf hingewiesen, dass der traditionelle Markt der klassischen Cigarren- und Cigarilloprodukte seit vielen Jahren auf einem nahezu gleichem Niveau bewegt. Können Sie uns dies noch einmal erklären?

Bodo Mehrlein (BM): Wir haben schon oft darauf hingewiesen, dass die Daten vom Statistischen Bundesamt im Bereich Cigarren / Cigarillos sehr stark durch das Segment der sogenannten nidrigpreisigen Ecocigarillos beeinflusst wird. Gibt es in diesem Bereich Veränderungen hat dies sofort eine signifikante Auswirkung auf die Versteuerungsdaten, nicht zuletzt, da es sich hier um einen Nischenmarkt kandelt. Außerdem hatten wir im Kalenderjahr 2018 noch einen Zuwachs von 6,5 Prozent durch die Neueinführung eines Produktes in diesem Segment der Ecozigarillos, welches aber wieder vom Markt genommen wurde. Aus internen Statistiken wissen wir, dass das Segment der klassischen Cigarren/Cigarillos seit Jahren konstant beziehungsweise leicht rückläufig ist. Sehr erfreulich ist, dass sich in Deutschland hergestellte Cigarren/Cigarillos seit Jahren wachsender Beliebtheit im Ausland erfreuen – jedes zweite in Deutschland hergestelltes Produkt geht mittlerweile ins Ausland.

sp: Dass man das Kulturprodukte Cigarre/Cigarillos bei den Regulierungen des Tabakmarktes mit anderen Tabakprodukten in einen Topf wirft gefällt Ihnen überhaupt nicht! Gegen diese Verallgemeinerung erheben Sie seit Jahren die Hand, hilft das?

BM: Ja und Nein! Völlig richtig ist, dass der BdZ – und hier muss betont werden, wie wichtig es ist, dass die Interessen der Cigarrenindustrie in nur einem Verband gebündelt werden und nicht mit anderen Interessen vermischt werden – seit vielen Jahren vehement betont, dass die Regulierung von Cigarren/Cigarillos anderen Maßstäben folgen muss. Eines der wesentlichen Gründe für strengere Regulierungen ist das Ziel des Jugendschutzes – hier hat unsere Branche ein ruhiges Gewissen, alle Statistiken zeigen, dass Cigarren und Cigarillos von meist männlichen Rauchern gehobenen Alters konsumiert werden – ein Jugendschutzproblem liegt nicht vor. Dies wird sowohl durch die letzten Eurobarometer wie auch durch den Mikrozensus des Stat. Bundesamtes gestützt. Außerdem handelt es sich bei unseren Produkten um einen reinen Genussartikel. Bei einigen Regulierungen wurden diese Argumente erhört, so gelten für unsere Verpackungen noch die reinen Textwarnhinweise und nicht die Bild-Textwarnhinweise. Außerdem dürfen wir weiterhin Aromen in unseren Produkten benutzen. Allerdings gibt es auch Themen, die unsere Branche schwer zu schaffen machen, hier muss in erster Linie das Thema „Track&Trace“ genannt werden. Auch wenn wir einige Ausnahmen für unsere Produkte erreichen konnten, wie eine längere Übergangs- und Abverkaufsfrist, wird diese Regulierung gravierende Auswirkungen haben. Dieses System der Rückverfolgbarkeit soll der Bekämpfung des Tabakschmuggels dienen – allerdings gibt es bei unseren Produkten keinen signifikanten Schmuggel, was belegt, dass dieses Gesetz somit vollkommen unverhältnismäßig ist.

sp: Speziell die mittelständischen Cigarren-Unternehmen, im Klartext die Mitglieder Ihres Verbandes, hadern mit den Restriktionen der Regierung. Was ist zu tun und was kann man tun?

BM: Losgelöst von dem Thema Tabak denke ich, dass dies ein grundsätzliches Thema unserer Wirtschaftspolitik ist. Zunehmende Regulierungen können von Großkonzernen vielleicht noch gehandelt werden, vom Mittelstand allerdings nicht. Auch wenn der BdZ sich sehr über die Mittelstandsinitiative des Bundeswirtschaftsministers gefreut hat, müssen wir erst abwarten, ob es sich hierbei um reine Lippenbekenntnisse handelt oder ob wirklich eine grundlegend neue Ausrichtung der Politik erfolgen wird. Was wird der BdZ tun: wir werden uns in den nächsten Jahren weiterhin intensiv damit beschäftigen, die Besonderheiten des Kulturgutes Cigarre/Cigarillo zu betonen. Außerdem wollen wir die Bedeutung des Wirtschaftsfaktors Cigarre für gewisse Drittstaaten herausarbeiten, so werden wir im März unseren parlamentarischen Abend unter der Schirmherrschaft der Botschaft der Dominikanischen Republik durchführen. Im Mai wird ein großer Cigarrenabend zusammen mit der Botschaft von Honduras vom BdZ ausgerichtet werden. Später werden wir eine Kurzbroschüre mit den wesentlichen Fakten über Cigarren und Argumente für eine sinnvolle Regulierung veröffentlichen, die auch im interessierten Fachhandel erhältlich sein soll.

sp: Die Cigarre lebt und die Wachstumsrate der Cigarrenclubs in unserem Land sind der beste Beweis für den gelebten Genussfaktor „Cigarre“. Mit dieser Performance gehen wir in ein neues Jahrzehnt, ein Jahrzehnt in dem die Cigarre goldene zwanziger Jahre erleben wird? Silberne Jahre wären ja auch schon gut, oder?

BM: Leider kann ich nicht in eine Kristallkugel schauen und die Zukunft vorhersagen. Ich möchte hier gerne eine zweigeteilte Antwort geben. Ich bin überzeugt, dass Cigarren/Cigarillos immer einen wichtigen Platz in der Genusswelt haben werden – ich glaube sogar, dass die ganze Diskussion um Zigarette oder E-Zigarette unser Kulturgut Cigarre eher stärken wird. In der heutigen hektischen Welt, die immer stärker von technologischen Wandel geprägt ist, können wir doch trotzdem feststellen, dass für viele Menschen der Genuss und die Entschleunigung von großer Bedeutung ist – und genau hier bieten Cigarren/Cigarillos ein gutes Angebot. Der große Unbekannte, der unsere Zukunft beeinflussen wird, ist aber leider der Regulator und hier bleibt abzuwarten, welchen Einfluss zukünftige Regulierungen haben werden und inwieweit Ausnahmen für unsere Produkte bestehen bleiben..

sp: Vielen Dank, sehr geehrter Herr Mehrlein.

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