Das deutsche Sektwunder

Qualitätssekt als Nischenprodukte der deutschen Winzer

(fs) Für viele Winzer war Sekt nur ein Nebenprodukt. Das hat sich geändert. Denn auf guten Sekt muss man gezielt hinarbeiten.

Sekt als Resteverwertung

Denken wir 15 oder 20 Jahre zurück: Auch damals hatte jeder Winzer, der etwas auf sich hielt, einen Sekt im Angebot. In der weit überwiegenden Anzahl der Fälle wurden diese Schäumer aus Trauben gekeltert, die irgendwie übrig waren: aus Rebsorten, für die es keinen Markt gab, oder aus allem, was man bei der Vorlese vom Stock genommen hatte, damit der eigentliche Wein nicht von Botrytis oder anderen unerwünschten Merkmalen beeinträchtigt würde. So schmeckte er dann auch, der durchschnittliche deutsche Winzersekt der Neunziger- oder Nuller-Jahre.

Qualitätssekt als Nische

Es war ein kleines Häuflein, das schon damals den Sekt als ein Produkt eigenen Rechts ansah – und auch keinen Vergleich mit der Champagne scheute. Namen wie Raumland, Diel, Solter, der Wilhelmshof und Bardong, Wegeler, Schloss Vaux, Schembs oder Steinmetz schwammen gegen den Strom – und blieben lange Zeit allein in ihrer Nische.

Es ist schon kurios, dass sich das deutsche Sekt-Wunder ausgerechnet in dem Moment einzustellen begann, als die Erderwärmung die Gefahr heraufbeschwor, es könne zu warm werden beispielsweise für Spätburgunder und Riesling. Da man für den Sekt Trauben benötigt, die schon bei geringem Reifegrad aromatischen Ausdruck besitzen, kommt Global Warming den deutschen Sekt-Winzern gar nicht gelegen.

Besonders frühe Hauptlese

Aber: Sie haben den weinbaulichen Dreh, um die sensorische »Kühle« der Sekt-Grundweine zu wahren, immer besser raus. Beispielsweise, indem sie mit ihren Weingärten in die Höhe gehen, indem sie die Laubarbeit verändern und natürlich auch, indem sie auf mineralischen Böden früh zur Lese schreiten. Dies natürlich nicht wie früher bei der negativen Vorlese – sondern um die geeignetsten, gesunden Trauben für den Sekt zu verwenden. Das ist heute keine Vorlese mehr, sondern eine besonders frühe Hauptlese.

Die Verkostungen zu diesem Sparkling Special haben Dutzende Spitzenweine zutage gefördert. Mit jedem der Sekte auf einem der Siegertreppchen wird man ein berauschendes Geschmackserlebnis erfahren. Jeder ist der strahlendsten Feier würdig – und ist in sich ein Grund, zu feiern. Aber auch auf den Folgeplätzen finden sich starke Charaktere, auf vielfältige Weise stilistisch eigen. Und dabei stets genussreich.

Die Natürlichkeit der Schaumweine

Zurück in den Probenraum. Der Sekt, der Anne Krebiehl – und mit ihr das gesamte Verkostungsteam – begeisterte, war der Trophy-Sieger in der Kategorie »Brut Nature«: der »15/16/17« von Sven Leiner aus Ilbesheim in der Pfalz. »Was ich je länger, je mehr schätze, ist die Natürlichkeit solcher Schaumweine«, summierte Krebiehl ihre Begeisterung: »In dieser Flasche ist nichts anderes drin als fermentierter Traubensaft.«

Produktion ohne Helferlein

Im Fall von Leiners Sekt stimmt diese Aussage wortwörtlich. Grundweine aus Chardonnay und Spätburgunder gären spontan und lagern ohne Schwefelzusatz ein bis zwei Jahre auf der Vollhefe im Tonneau. Der gärende Most des dritten für die Assemblage verwendeten Jahrgangs wird dann zugleich als Gäransatz für die Flaschengärung eingesetzt. So geschieht die komplette Produktion ohne Schwefel, Reinzuchthefen, Zucker, Rüttelhilfen und alle anderen möglichen kleinen Helferlein.

Der Wein in seiner pursten Form steckt hin und wieder in einer Schaumweinflasche – immer häufiger auch in einer deutschen.

https://www.falstaff.de/

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